Strassenbahn

Die Strassenbahn der Siegener Kreisbahn von 1904

Siegen - Geisweid - Kreuztal

Bereits 1890 wurde in Siegen über eine Straßenbahn nach Geisweid nachgedacht, wobei zunächst eine Pferdebahn ins Auge gefaßt wurde. Nachdem jedoch die Voraussetzungen zum Betrieb einer elektrischen Straßenbahn erfüllt waren, gründete der Kreistag des Kreises Siegen am 13.04.1901 die Siegener Kreisbahn. Güterverkehr war anfangs nur eine Option. 1903 wurde mit den Bauarbeiten begonnen, am 12.11.1904 fuhr die erste Straßenbahn von der Haltestelle Kochs Ecke in Siegen die 6,8 km lange Strecke zum Geisweider Bahnhof der Kreisbahn. 

 

Schon am 15.12.1905 ging die erste Erweiterung zum Staatsbahnhof in Betrieb, ein Jahr später fuhren Straßenbahnen auch von Siegen-Eintracht über Kochs Ecke nach Hain über die bislang nur von Güterzügen genutzen Gleise der Eisern-Siegener Eisenbahn. Am 1.11.1908 wurde die Erweiterung von Geisweid nach Buschhütten-Langenau eröffnet und der Güterverkehr aufgenommen Erst 1927 erreichte die Strassenbahn dann den Bahnhof Kreuztal.

Endstelle in Geisweid
Endstelle in Geisweid
Weidenau: TW 9 in der Wilhelmstrasse 1905
Weidenau: TW 9 in der Wilhelmstrasse 1905
Weidenau: Wagen 8 in der Unteren Friedrichstrasse beim Hotel Patt
Weidenau: Wagen 8 in der Unteren Friedrichstrasse beim Hotel Patt
Buschhütten: E-Lok 3 mit Güterzug (Aufnahme: Fa. Achenbach, Buschhütten)
Buschhütten: E-Lok 3 mit Güterzug (Aufnahme: Fa. Achenbach, Buschhütten)
Wagen 1 am Kölner Thor fährt 1914 nach Geisweid
Wagen 1 am Kölner Thor fährt 1914 nach Geisweid

Die Oberstadtbahn 1910 - 1914

Schließlich wurde am 11.6.1910 die Straßenbahn durch die Siegener Oberstadt eröffnet. Mit Steigungen von 1:10 (10%) und Mindestkurven-radien von nur 15 Metern war diese Strecke eine Herausforderung für die Planer. Sofort zu Beginn des Ersten Weltkrieg wurde der Betrieb vorübergehend eingestellt. Die Oberstadt-Triebwagen fuhren nun auf der Talstrecke. Die vorübergehende Betriebseinstellung wurde nach der Ersten Weltkrieg eine endgültige.

Kölner Thor 1912: Im Hintergrund ein Wagen auf der Oberstadtbahn
Kölner Thor 1912: Im Hintergrund ein Wagen auf der Oberstadtbahn
Tw 17 und Tw 14 der Oberstadtbahn an der Ausweiche in der Poststrasse 1910
Tw 17 und Tw 14 der Oberstadtbahn an der Ausweiche in der Poststrasse 1910
Tw der Oberstadtbahn Richtung Löhstrasse am Rathaus 1910
Tw der Oberstadtbahn Richtung Löhstrasse am Rathaus 1910
Oberstadtbahn-Wagen Nummer 14 mit weiblichem Personal im Ersten Weltkrieg an der Endstelle Eintracht; Fahrtrichtung Kreuztal (Aufanahme: Sammlung Stadtarchiv Siegen)
Oberstadtbahn-Wagen Nummer 14 mit weiblichem Personal im Ersten Weltkrieg an der Endstelle Eintracht; Fahrtrichtung Kreuztal (Aufanahme: Sammlung Stadtarchiv Siegen)

Wiederaufbau nach 1945

Linien 1 und 2: Siegen - Kreuztal

Nach Kriegsende verkehrte die Straßenbahn schon am 25. Juni 1945 wieder von Langenau bis zur katholischen Kirche in Weidenau, sechs Wochen später bis zur Haardter Brücke. Die gesamte Strecke von Siegen nach Kreuztal konnte ab 1946 wieder von den Strassenbahn-Linien 1 und 2 befahren werden.

Linie 3: Siegen - Eisern 1947

Am 1. Januar 1947 pachtete die Kreisbahn die Strecke nach Eisern von der Eisern-Siegener Eisenbahn, rüstete sie mit Fahrdraht aus und be-diente sie ab dem 30. Oktober 1947 mit Straßenbahnwagen.

Ausweiche in der Koblenzer Strasse Richtung Eiserfeld im Jahre 1910
Ausweiche in der Koblenzer Strasse Richtung Eiserfeld im Jahre 1910
Tw 27 im Jahre 1955 am Bahnhof Eintracht auf der Fahrt nach Eisern
Tw 27 im Jahre 1955 am Bahnhof Eintracht auf der Fahrt nach Eisern
Im Juli 1957: Ausweiche im Bahnhof Eiserfeld (Aufnahme: Boehm)
Im Juli 1957: Ausweiche im Bahnhof Eiserfeld (Aufnahme: Boehm)

Linie 4: Siegen - Kaan-Marienborn 1948

Auch die ESE-Strecke nach Kaan-Marienborn wurde gepachtet und für den Strassenbahnverkehr umgebaut. Am 08.11.1948 verkehrte hier die erste Straßenbahn.

Der Eröffnungs-Zug am 08.11.1948 mit Tw 38 und zwei Beiwagen erreicht auf der Rückfahrt nach Siegen die Marienborner Strasse, dahinter folgt Tw 37
Der Eröffnungs-Zug am 08.11.1948 mit Tw 38 und zwei Beiwagen erreicht auf der Rückfahrt nach Siegen die Marienborner Strasse, dahinter folgt Tw 37

Stadtjubiläum 1949

Im Jahre 1949 feierte Siegen 725-jähriges Bestehen. Dieses Ereignis stand ganz im Zeichen des Wiederaufbaus der Stadt nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg. In diesem Zusammenhang wurde damals auch der öffent-liche Nahverkehr neu geordnet. Durch den Neubau der Siegbrücke im Zuge der Bahnhofstrasse wurde ein Rundverkehr für die Strassenbahn ermög-licht. Die Landesregierung des neuen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen unterstützte den Wiederaufbau nach Kräften. Daher war am 1. und 2. Oktober 1949 das gesamte Kabinett der Regierung von Ministerpräsident Karl Arnold unter anderem mit den Landesministern Eugen Gerstenmeier und Heinrich Lübke in Siegen versammelt. Das Ereignis wurde zum Volksfest, die Teilnahme der Bevölkerung war enorm.

Die neuen Fahrzeuge Tw 39, Bw 120 und Bw 121 fuhren erstmals planmäßig über die neue Siegbrücke und die Koblenzer Strasse weiter nach Eisern.
Die neuen Fahrzeuge Tw 39, Bw 120 und Bw 121 fuhren erstmals planmäßig über die neue Siegbrücke und die Koblenzer Strasse weiter nach Eisern.

Der Abstieg ab 1952

Durch den stark zunehmenden Individualverkehr wurde die SK gezwungen, sich beim anstehenden Ausbau der B54 im Hüttental zwischen einer zweigleisigen Straßenbahn und einer O-Bus-Linie zu entscheiden. Die Entscheidung fiel für den O-Bus. Am 30.05.1952 wurde die neue Linie von Siegen nach Kreuztal eröffnet, tags zuvor endete hier die Ära der Straßenbahnen.

KSW-Zug der Linie 3 aus Eisern am Kölner Tor 1957, rechts das Untere Schloß
KSW-Zug der Linie 3 aus Eisern am Kölner Tor 1957, rechts das Untere Schloß

Das Ende 1958

Wegen der fast durchgängigen Seitenlage der Straßenbahngleise und dem angesteigenden Autoverkehr wurden die Züge zu einem Hindernis für die Autofahrer. Deshalb wurden 1956 die Strecke nach Kaan-Marienborn und am 31.08.1958 die Strecke nach Eiserfeld und Eisern durch Buslinien ersetzt. Damit endete der Straßenbahnbetrieb der Siegener Kreisbahn. Bis 1979 fuhren auf einem Teil der Gleise noch Güterzüge. Das letzte verbliebene Straßenbahnstück liegt noch heute in der B62 von der Eintracht bis zum Anschluß Flender in der Rinsenau. Dort verkehren noch heute regelmäßig teilweise recht lange Übergabezüge. Inzwischen ist dieses Stück neben die Straße verlegt werden. Damit ist das letzte Stück ehemals von der Straßenbahn genutzte Gleis in Siegen verschwunden.

2009 liegt noch ein Stück ehemaliges Strassenbahngleis in Kaan-Marienborn
2009 liegt noch ein Stück ehemaliges Strassenbahngleis in Kaan-Marienborn

 

 

Literatur:

Moll, Reuter, Trippe (2004) Strassenbahnen und Obusse im Siegerland. Verlag Vorländer, Siegen.

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