Aktionsgemeinschaft

Naturpark Rothaargebirge e.V

Verein zur Erhaltung einer gesunden Umwelt

AG Naturpark Rothaargebirge e.V. Landsberger Str. 20, 57072 Siegen

 

 

An den Minister für Bauen, Wohnen,

Stadtentwicklung und Verkehr

des Landes Nordrhein-Westfalen

Jürgensplatz 1

D-40219 Düsseldorf

 

                                                                                                      Hilchenbach, den 08.01.2013

 

Sehr geehrter Herr Minister Groschek,

 

unser Verein Aktionsgemeinschaft Naturpark Rothaargebirge e.V. setzt sich seit über 30 Jahren für den Erhalt natürlicher Lebensräume und die Förderung des Naturschutzes und der Land-schaftspflege in unserer heimischen Region ein. Besonders kritisch haben wir uns in diesem Zeitraum mit Planungen technischer Großprojekte, insbesondere dem Weiterbau der Autobahn A4 bzw. Alternativprojekten wie die FELS oder die sogenannte „Route 57“ auseinandergesetzt.

 

Nach wie vor betrachten wir die Naturregion Rothaargebirge als einen ökologisch sehr schutz-würdigen Lebensraum, den es unbedingt zu erhalten gilt. Das Rothaargebirge liegt in unmittelbarer Nähe großer Ballungsräume, wie dem Ruhr- oder Rhein-Main-Gebiet. Es erfüllt mit seinen ausgedehnten Wald- und Wiesenlandschaften wichtige Funktionen für unseren Klima- und Wasserhaushalt sowie für die Naherholung. Die heimischen Wälder und Moore sind unverzichtbare CO2-Senken, Sauerstoffproduzenten, Feinstaub-Filter und Wasserspeicher. Einer Vielzahl stark bedrohter Tier- und Pflanzenarten, wie Wildkatze, Schwarzstorch, Weisszüngel-Orchidee u.v.a.m., bietet diese Landschaft noch Heimat.

 

Schon im 1992 im Auftrage des Bundesverkehrsministeriums erstellten Kiemstedt-Gutachten zur Planung der A4 findet sich folgende Bewertung: „Der gesamte Untersuchungsraum ist hoch-empfindlich und national von herausragender Bedeutung.“ Unter anderem solche, auf höchster Ebene geäußerten Bewertungen führten dazu, den Weiterbau der A4 durch dieses Gebiet nicht weiterzuverfolgen, trotz einer starken Lobby von Befürwortern, wie den heimischen IHKs etc.

 

Entgegen den Prognosen der Wirtschaftsverbände und einiger Politiker aus den 80er und 90er Jahren, die sich in Ihren Aussagen nicht von den heutigen unterscheiden, sind in den betroffenen Gebieten keineswegs die Lichter ausgegangen, sondern die Wirtschaft hat sich sehr erfolgreich entwickeln können. Die Arbeitslosenzahlen im Wittgensteiner Land wie auch im Hochsauerland sind im gesamten Zeitraum immer deutlich niedriger geblieben als in den meisten Regionen NRWs. Gleichzeitig konnte die Naturregion Rothaargebirge mit Hilfe öffentlicher wie privater Initiativen dank vieler Einzelmaßnahmen, wie Unterschutzstellung einzelner Flächen, Ausweisung von Wildnisgebieten, nachhaltiger Forstwirtschaft und vielem anderen mehr, ihren ökologischen Wert weitestgehend erhalten, in manchen Bereichen sogar verbessern.

 

So sind einzelne Populationen lange bedrohter Tierarten, wie Wildkatze und Schwarzstorch, wieder im Wachsen begriffen oder scheinen sich zu stabilisieren. Auch im Bereich der Erholung sind mit der Ausweisung des Premiumwanderweges „Rothaarsteig“ positive Akzente gesetzt worden. Diese hohe Akzeptanz wurde unserer Meinung nach nur möglich, weil auf die Zerschnei-dung des Gebietes durch die A4 verzichtet wurde.

 

Diese sichtbaren Erfolge und positiven Aussichten für die zukünftige Gebietsentwicklung sehen wir seit geraumer Zeit bedroht durch die Bestrebungen einzelner Interessenverbände, nach wie vor eine neue, mehrspurige Bundesfernstraße B508n/B62n durch das Rothaargebirge zu bauen und zunächst über die hessische Landesgrenze hinaus fortzuführen mit der Option, diese später bis zur noch nicht fertiggestellten A 49 zu verlängern.

 

In der Ihnen vom Regionalrat vor kurzem überbrachten Vorschlagsliste für die Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplanes 2015 sind die jeweiligen, zum Teil als Ortsumgehungen ausgewiesenen Streckenabschnitte bis zum hessischen Frankenberg aufgelistet. Sie werden bezeichnet als B 508 TOU Kreuztal, OU Kreuztal-Ferndorf, OU Hilchenbach, B 62 Hilchenbach-Grund- Altenteich m. OU Lützel, OU Erndtebrück mit OU Schameder sowie B 508? Schameder –Hessische Landesgrenze mit Fortführung nach Frankenberg/Eder.

 

Den kostenträchtigen Bau dieser Straße halten wir aufgrund der mäßigen Verkehrszahlen (z.B. im Bereich Hilchenbach-Lützel 6-7000 Kfz/d) für überflüssig. Hingegen würden einzelne Maßnahmen im Bestand, z.B. Überholmöglichkeiten für den Abschnitt B 62 Lützel – Erndtebrück, hier vollkommen ausreichen.

 

Die angedachten Ortsumgehungsmaßnahmen im Bereich der B 508 werden ebenfalls keinen deutlich verkehrsentlastenden Gewinn bringen, da sie die einzelnen Ortschaften gar nicht ortsnah umgehen und anbinden. Der momentan noch durchs Tal führende Streckenabschnitt von Kreuztal bis Hilchenbach ist wesentlich durch Ziel- und Quellverkehr gekennzeichnet Der Verkehr dient hauptsächlich der Anbindung der hier ansässigen Firmen und den Einkaufsmöglichkeiten.

 

Eine auf dem Bergrücken verlaufende „Ortsumgehung“ mit nur wenigen Anschlußmöglichkeiten kann hier überhaupt keine deutliche und hörbare Reduzierung des Verkehrs hervorrufen, da der Durchgangsverkehr nur ca. 10% des Verkehrsaufkommens beträgt. Auch nach dem Bau der Teilortsumgehungen müssen die meisten Fahrzeuge weiterhin über die alte B 508 bzw. über die hoch frequentierte Kreuzung in Kreuztal zu ihren Firmen bzw. Einkaufszentren gelangen.

 

Allein die Firma SMS-Siemag beschäftigt ca. 3000 Mitarbeiter; sie alle werden auch weiterhin die bestehende Streckenführung nutzen müssen, um zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen. Die beklagten Schwertransportprobleme der hiesigen Wirtschaft werden durch diesen Straßenneubau keineswegs entschärft, denn das Hauptproblem ist die mangelnde Tragfähigkeit der Brücken - sowohl auf Autobahnen wie auch an der B 508 in Kreuztal.

 

Sollten die Straßenplanungen Realität werden, so wird großflächig natürliche Landschaft versiegelt, verlärmt und unter ökologischen und Naherholungs-Gesichtspunkten entwertet. Gleichzeitig werden aber zusätzliche Ortschaften, wie z. B. Unglinghausen, Ruckersfeld und Grund belastet, ohne dabei einen wirklichen Entlastungseffekt im bestehenden Netz erzielen zu können. Zwei im Abstand von ca. 2 km parallel verlaufende Straßen bedeuten leider auch eine Verdoppelung der Unterhaltungsmaßnahmen, wie aufwändige Schneeräumungsarbeiten etc.

 

Angesichts der genannten ökologischen Probleme, der knapper werdenden Investitionsmittel und des erheblichen Reparatur- und Modernisierungsstaus im bestehenden Verkehrsnetz von NRW halten wir es für sinnvoll, die  genannten Einzelmaßnahmen nicht wieder in den Bundesverkehrs-wegeplan aufzunehmen. Effektiver dürfte es sein, mit der hiesigen Öffentlichkeit einzelne Optimie-rungsmaßnahmen im bestehenden Netz zu erarbeiten.

 

So könnte z.B. der seit Jahren sehr vernachlässigte ÖPNV bzw. Schienentransport in der Region deutlich verbessert werden. Nützlicher für die wirtschaftliche Entwicklung dieser Region ist sowieso die dringend notwendige Ertüchtigung der bestehenden A 45.

 

Wird  aber weiterhin der Ausbau peripherer kostenträchtiger Straßen vorangetrieben, bedeutet dies im Wesentlichen noch mehr Verkehr für die ohnehin überlasteten Knoten und Zentralachsen. Eine schnellere Erreichbarkeit der Häfen und Ballungsräume, wie von den hiesigen Unternehmen gefordert, wird so sicher nicht erzielt. Zu beachten ist dabei auch, dass durch die hiesige Mittellage in Deutschland die Transportprobleme der Unternehmen keineswegs so groß sind wie von den Lobbyisten dargestellt.

 

Wir bitten Sie, unsere Argumente gegen die Verwirklichung dieses neuen Straßenzuges bei ihrem Auswahl- und Bewertungsverfahren zum neuen BVWP zu berücksichtigen und entsprechend zu gewichten.  

 

Mit freundlichen Grüßen

 

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